Verfasst von: marcelnakoinz | 9. August 2009

Vom genialsten Geschwisterpaar der Welt – Eine Reminiszenz an die Gebrüder Humboldt

Fragt man im Ausland nach dem bedeutendsten Deutschen, den man so kennt, bekommt man weder Goethe noch Kant oder Schuhmacher zu hören, sondern Humboldt. Dabei ist meist Alexander von Humboldt gemeint, da er mit seinen Weltreisen sehr viel greifbarere Abenteuer durchlief, als sein Bruder Wilhelm. Obwohl dieser als Theoretiker nicht minder vorkämpferisch gewesen war. Kein anderes Geschwisterpaar der Geschichte bereicherte die Menschheit mit einem ähnlich produktiven Forscherdrang wie diese beiden. Mit ihrem Namen schmücken sich Bibliotheken, Kliniken und Straßen überall auf der Welt.

wikipedia.de

Wilhelm von Humboldt

Der Bildungsreformer
Wilhelm von Humboldt beschäftigte sich vor allem mit Staatstheorien und der humanistischen Reformierung des Schul- und Hochschulwesens; aber auch mit vergleichenden Betrachtungen von Sprachen. Als Philosoph und Staatsmann gründete er 1809 die später nach ihm benannte Universität in Berlin. Der Diplomat Humboldt vertrat 1814/15 die Interessen Preußens auf dem Wiener Kongress. Aber mit seinen modernen Ansätzen rieb er sich an den konservativen Kräften in Preußen. Der Sprachforscher verfasste einflussreiche Schriften zum Bau natürlicher Sprachen.

Man sieht in ihm den Vorgänger der kognitiven Sprachauffassung, welche später Ethnolinguisten wie Benjamin Lee Whorf zum „Linguistischen Relativitätsprinzip“ ausbauen sollten. Dieses geht davon aus, dass die Sprache unser Denken fundamental beeinflusst. Schon Humboldt erkannte: „Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache; um aber Sprache zu erfinden, müsste er schon Mensch seyn.“

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Alexander von Humboldt

Der exaltierte Paradiesvogel
Schon vor 200 Jahren war Alexander von Humboldt ein bekennender Weltbürger. Als größter Naturforscher der Goethe-Zeit und der letzte Universalgelehrte seiner Zunft, begründete er durch seine Arbeit die Geophysik. Goethe sagte über ihn: „Was für ein Mann! Er hat an Kenntnissen und lebendigem Wissen nicht seinesgleichen!“

Seine Erkundung Lateinamerikas machte ihn berühmt: 1799 brach er in die Neue Welt auf. Mit ihm an Bord sein Gefährte, der Botaniker Aimé Bonpland. Sie bereisten das Gebiet der heutigen Staaten Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Peru, Kuba und Mexiko. Überall waren sie die ersten Europäer, die nicht plündern, sondern forschen wollten. Für die Menschen dort ist er noch heute ein Held, da er ihnen die Augen für ihre eigene kulturelle Vergangenheit öffnete.

„Ich habe ihn immer bewundert; jetzt bete ich ihn an. Denn er allein gibt einen Begriff von den Empfindungen, die das erste Betreten der Tropen in der Seele erregt.“, konstatierte einmal Charles Darwin. Die Tropen waren für Humboldt ein Sinnesrausch. In den Kordilleren Ecuadors bestieg er, in Halbschuhen und Gehrock, den Vulkan „Chimborazo“ – der mit 6310 Metern damals als der höchste Berg der Welt galt. Außerdem maß Alexander die Temperaturen des später nach ihm benannten Humboldtstroms. Nach fünf Jahren führte ihn seine Reise schließlich, über Cuba, in die USA nach Philadelphia. Als überzeugter Demokrat, der sich gegen jeglichen Rassismus aussprach, traf er dort Thomas Jefferson und war mit ihm in der Verachtung des Sklavenhandels einer Meinung. Später sagte Jefferson: „Ich sehe in ihm den bedeutendsten Wissenschaftler, den ich je getroffen habe.“

Mit sechzig Jahren nahm er sich vor, die ganze Welt zu beschreiben. Im Winter 1827 hielt er öffentliche Vorlesungen, aus denen dann sein Fundamentalwerk „Kosmos.“ hervorging. Als die ersten Bände des Buches erschienen, schlug man sich förmlich darum, wie heute um die Bücher von Harry Potter. Humboldt war der Erste, der aus Wissenschaft ein hinreißendes Ereignis machte. Während die Bibel heutzutage im Supermarkt verramscht wird, ist Humboldts Gegenentwurf kaum bekannt. Soviel zur deutschen Wissensgesellschaft. Ganz Berlin kam damals und hörte ihm zu – vom Kutscher bis zum preußischen König. Als Alexander nach seinen Expeditionen das Geld ausging, musste er am Hofe des Königs regelmäßig gastieren und wie ein Vogel im goldenen Käfig von seinen Abenteuern erzählen. In dieser geistigen Verödung dachte er oft an die Tropen zurück.

Foto: M. Nakoinz

Eingang Humboldt-Universität Berlin

In seinem Buch forderte er die Gleichheit von Natur und Geist, erkannte jedoch auch, dass dieses Ziel nie vollkommen erreicht werden kann. Denn es gibt immer noch etwas zu erforschen. Hier treffen sich die kosmopolitischen Ansätze der Brüder, mit Wilhelms Idee von Wissenschaft als etwas „noch nicht Gefundenes und nie ganz zu Findendes“.
Marcel Nakoinz

Quelle: Alexander von Humboldt: Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung. Eichborn Frankfurt/Main, 2006.

Ausgabe 02, Januar 2008

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