Verfasst von: marcelnakoinz | 2. September 2009

Freiheit ist Sklaverei

Arm dran

Besser Arm dran, als...

„Gewalt war der Geburtshelfer der kapitalistischen Gesellschaft.“

Dieses Zitat stammt von einem Mann mit Rauschebart. Einem Mann, der oft missverstanden wurde. Einem, der es sich zum Ziel setzte, die Grundstrukturen des Kapitalismus zu durchdringen, um ihn zu bekämpfen. Die Rede ist von Karl Marx. In seinem unvollendeten Werk „Das Kapital“, dessen erster Band 1867 erschien, führt er vor, was Ottonormalbürgern, Akademikern und den meisten Ökonomen (auch in heutiger Zeit) unklar ist: Die Freiheiten, derer sich die Menschen industrialisierter Länder erfreuen (Presse- und Redefreiheit, Minderheitenschutz usw.) sind hart erkämpft.

Die Geburtsstunde des Kapitalismus – ein Vaterschaftsstreit
Den Ursprung des Kapitalismus verortet Marx im England des 15. Jahrhunderts. Aus einer Gesellschaft, die Jahrhunderte lang kaum technischen Fortschritt, noch Wettbewerb kannte, entstand im Zuge eines sich ausbreitenden Fernhandels und durch Enteignung eine verschärfte Aufspaltung der Völker in besitzende und besitzlose Klassen. Diese Sichtweise ist innerhalb der Volkswirtschaft keineswegs akzeptiert. Heute genauso wenig wie damals. Die Nationalökonomie tendiert eher dazu, die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise idyllisch und unproblematisch auf die außerordentlichen Anstrengungen einzelner Kapitalisten zurückzuführen, während andere Zeitgenossen nur faul auf der Haut lagen. Jeder bessere Historiker weiß jedoch um die tatsächlichen Zusammenhänge.

„In der wirklichen Geschichte spielen bekanntlich Eroberung, Unterjochung, Raubmord, kurz Gewalt die große Rolle.“ (Marx, S.742) Auf eine Reihe von Faktoren wie die Entstehung von Börsen- und Bankensystemen und die Ausbeutung der amerikanischen Kolonien folgte die Privatisierung öffentlichen, kollektiv genutzten Bauernlandes (Ackerland, Gemeindewälder usw.). Mit diesem Besitz verwandelte sich eine neue Klasse von Pächtern in Grundeigentümer. Die alten Kirchengüter wurden zudem geraubt und Ackerland in Schafweide verwandelt (Wollproduktion und Textilverarbeitung waren damals florierende Wirtschaftszweige). Folge: Die Landbevölkerung wurde in großen Massen von ihrem Land vertrieben und ihrer Produktionsmittel beraubt. Die enteigneten Menschen zog es nun zumeist in die Städte, wo sie das einzige, was sie noch besaßen, ihre Arbeitskraft, feilbieten mussten. Der bislang relativ verlässliche Lebenszyklus wich zunehmend dem Kampf um die nackte Existenz.

Auf der einen Seite schienen die Menschen aus ihren Abhängigkeitsverhältnissen befreit, tatsächlich aber wurden sie nun noch unfreier: „So wurde das von Grund und Boden gewaltsam […] verjagte und zum Vagabunden gemachte Landvolk durch grotesk-terroristische Gesetze in eine dem System der Lohnarbeit notwendige Disziplin hineingepeitscht, -gebrandmarkt, -gefoltert. […] Im Fortgang der kapitalistischen Produktion entwickelt sich eine Arbeiterklasse, die aus Erziehung, Tradition, Gewohnheit die Anforderungen jener Produktionsweise als selbstverständliche Naturgesetze anerkennt.“ (Marx, S.765) Nach dem Agrarkapitalisten wurde der Industriekapitalist geboren. Und zu welch prächtigem Wonneproppen ist er heute überall in der Welt herangewachsen? Auch der chinesische Kapitalist mit seinem pseudosozialistischen Deckmäntelchen ist ein strammer Bursche.

Wir prägen nicht das Geld – das Geld prägt uns
In der Wirtschaft geht es um Optimierungsprozesse – unabhängig von den Interessen der Mehrheit der Individuen. Diese Kaltherzigkeit ist abstoßend, aber notwendige Folge des Kapitalismus als solchem; weswegen sich Marx auch mit keinem Wort gegen die „bösen Kapitalisten“ wendet. Denn diese sind aufgrund der Konkurrenz gezwungen, ständig ihre Produktionsapparaturen zu modernisieren, um nicht von billiger oder besser produzierenden Konkurrenten in den Bankrott getrieben zu werden. Geld wird nur dann zu Kapital, wenn Geld investiert wird, um daraus Gewinn zu schlagen. Sobald ein Kapitalist aufhört, Profit zu machen, hört er auf, Kapitalist zu sein. Seine Profitgier ist also notwendiger Bestandteil des kapitalistischen Systems.

Warum sich trotz des allerorts aufflammenden Bewusstseins um die Ausbeutungsverhältnisse des modernen Superkapitalismus und dem Unmut über die immer größeren Armutsverhältnisse wir Proletarier aller Länder noch immer nicht vereinigt haben? Weil es einfach zu spannend ist, wer Deutschlands nächster Superstar wird!

Weiterführende Lektüre:
Buch: Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. In: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Bd.23. 38. Aufl. Berlin 2007
Film: „Der große Ausverkauf“ von Florian Opitz
Internet: http://www.storyofstuff.com

Ausgabe 10, April 2008

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