Verfasst von: marcelnakoinz | 5. Dezember 2009

42! – Diese und andere Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens

Wer kennt sie nicht, die befremdlich kurze Antwort aus der Feder Douglas Adams, auf die Frage, die die Menschen schon ungefähr solange beschäftigt, wie sie Kunst, Sinnlichkeit und Schnaps für sich entdeckt haben. In seinem ersten Roman aus der „Per Anhalter durch die Galaxis“-Reihe, stellen hochintelligente Wesen einer fremden Welt den zweitintelligentesten Computer des Universums her: „Deep Thought“ (Tiefer Gedanke). Seine Antwort auf die Frage nach dem „Leben, dem Universum und Allem“, die er nach siebeneinhalb Millionen Jahren Rechenzeit ausspuckt, ist jedoch wenig erbaulich. Sie lautet schlicht: „Zweiundvierzig“. Adams führt hier den spannenden Gedanken ein, dass wir vielleicht nie eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage aller Fragen erhalten haben, weil schon die Frage falsch gestellt ist. Allein – dass wir sie stellen, dafür hat Adams eine ganz spezielle Erklärung. Als die hochintelligenten Wesen den Computer mit den Ausmaßen einer Kleinstadt nun nach der korrekten Frage zur Antwort fragen, meint der nur, dass es seine Fähigkeiten übersteigen würde und er den Bauplan zu einem noch intelligenteren Computer von der Größe eines Planeten bereitstellen würde, den er „Erde“ tauft.

42

Der douglasche Sinn des Lebens

Die Philosophen und solche, die es werden wollen…

…haben sich seitdem alle Mühe gemacht, dieses Programm zu erfüllen. Denn solange der Mensch sich Fragen stellt, fragt er sich, warum er ist. Die meisten US-Amerikaner begnügen sich hier mit der Antwort: „Gott“. Wobei manche (wie Tom Cruise) glauben, auch mit ihm zu frühstücken. Aber schließen Antworten nicht die Türen zu Welten, welche die Fragen geöffnet hatten? Terry Eagleton fragt in seinem Buch über den Sinn des Lebens: Sind Begriffe wie „Sinn“ und „Leben“ überhaupt aufeinander anwendbar? Schließlich haben nur unsere sprachlichen Ausdrücke Sinn und nicht das Leben als solches. Selbst wenn alles oberflächlich und sinnlos erscheint, so kann das Leben nicht sinnlos sein. Da die Vorstellung von Oberfläche nur existieren kann, wenn es auch Tiefe gibt. In diesem Sinne war Ludwig Wittgenstein auch der Überzeugung, dass viele philosophische Rätsel auf einem falschen Gebrauch von Sprache beruhen. Martin Heidegger ging sogar noch einen Schritt weiter und fragte sich, warum es überhaupt etwas gibt und wieso wir das erkennen können. Er kam zu dem Schluss, dass diese Art des Fragenkönnens spezifisch für unsere Art ist, in der Welt zu sein.

Überall 42

Überall 42

Staunen über das Leben

Theatertragödien stellen sich die Frage aller Fragen schon seit der griechischen Antike und kamen dabei nie zu einem positiven Ergebnis. Sinnloser erschien das Leben nur nach den beiden Weltkriegen. Aber auch sonst stellt sich für den einzelnen Menschen nach den großen Kränkungen der Menschheit durch Kopernikus, Freud, Darwin und die Hirnforscher heute ein gewisser Sinnverlust ein. Physiker erklären unser Dasein zudem durch puren Zufall und Sternenstaubablagerungen. Biologen reduzieren alles auf die Fortpflanzung. Aber wie kann der Sinn der menschlichen Existenz in der Fortpflanzung liegen, wenn wir gerade einmal zehn Mal so viele Gene haben wie die Bakterien in unserem Darm? Sind wir nicht mehr als nur wandelnde Inkarnationen der Begattungstriebe unserer Eltern? Mehr als eine zufällige Aneinanderreihung chemischer Aktivitäten von Proteinen? Macht das Menschsein nicht mehr aus als das bloße Überleben? Schon Immanuel Kant sah dieses Problem, weshalb er die „Kritik der Urteilskraft“ schrieb, um sich Ästhetik, Kultur und unseren Gefühlen zu widmen.

Ist es denn überhaupt nötig, EINE Antwort zu finden?

Sind nicht vielleicht alle Antworten Teile eines gewaltigen Puzzles? Für die einen wäre das Leben ohne Fußball sinnlos.

Die Antwort ist klar

Die Antwort ist klar

Andere kommen nicht ohne Zitroneneis aus. Vielleicht besteht der Sinn des Lebens ja einfach im Leben selbst. Es zu „leben“! Es mit allen Sinnen aufzusaugen. Menschen zu treffen, die anderer Meinung sind als man selbst. Erst unsere Begegnungen bringen schließlich Farbe in unser Leben. Wohin sind die Dadaisten verschwunden, die uns unserer kleinbürgerlichen Illusionen beraubten, wir könnten dem Sinn des Lebens irgendwann auf der Straße begegnen?

Ein zu weites Feld?

Und die Psychologen, Neuro- und Evolutionsbiologen mit ihren Jäger-Sammler-Geschichten, die sie nach jeder Dekade über den Haufen werfen, weil sie neue Erkenntnisse zu finden glauben? Die sollen ruhig weiter versuchen, Fragen zu beantworten, die sich weit über ihre Befugnisgrenzen erstrecken! Was wäre denn, auch wenn wir auf alle Fragen eine Antwort hätten? Wir würden vor Langeweile eingehen – wie Schneeglöckchen vorm Kamin. Vielleicht ist gerade „Zweiundvierzig“ die zufriedenstellendste Antwort, die wir erwarten können und sollten.

„Die Lösung des Problems des Lebens merkt man am Verschwinden des Problems.“ -Wittgenstein

Ausgabe 05, März 2009

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