Verfasst von: marcelnakoinz | 3. März 2010

„Ein Kardinalfehler, der nur mit größter Anstrengung korrigiert werden kann.” Die taz feiert ihren 30. Geburtstag. Wir schüttelten Hände und warfen einen Blick hinter die Kulissen. Interview mit Bascha Mika, Teil I und II

Bascha Mika

Bascha Mika

Anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums fand jüngst eine Umgestaltung der taz statt – nun erstrahlt sie in neuem Glanze! Marcel Nakoinz sprach für den strassenfeger mit Bascha Mika, Chefredakteurin der taz, über die neue sonntaz, interne Strukturen, das taz-Selbstverständnis und die Zukunft der Print-Zeitungen. Bascha Mika hat 1998 den Chefredakteursposten bei der taz übernommen. Damit ist diese energiegeladene und zugleich sehr nachdenkliche Chefin immer noch die einzige Frau an der Spitze einer überregionalen Tageszeitung in der Bundesrepublik Deutschland.

strassenfeger: Frau Mika, seit dem 18. April 2009 erscheinen Sie jetzt mit der neuen „sonntaz“. Wie kam es zu diesem Projekt?
Bascha Mika: Es war schon seit langem mein Traum, eine neue Wochenendzeitung zu machen. Deswegen hatte ich die Idee, eine Samstagsausgabe so zu gestalten, dass sie einerseits aus einer klassischen samstags-taz besteht, die aber nun auch noch eine Sonntagszeitung bietet. Unsere Leser haben so am Wochenende die Möglichkeit, sich in der samstaz schnell darüber zu informieren, was von Freitag auf Samstag passiert ist. In der sonntaz hingegen werden die Themen der kommenden Woche so aufbereitet, dass sie dem eher entspannten Leseverhalten am Wochenende angepasst sind.

sf: Welche Idee steckt hinter diesem Vorschaucharakter der sonntaz?
B.M.: Die sonntaz ist kein Rückblick auf die vergangene, sondern ein Vorausblick auf die kommende Woche. Ich erfahre, was mich erwartet, und habe die Möglichkeit, die Dinge richtig einzuordnen und besser zu verstehen.

sf: In der traditionelleren Art der Berichterstattung vermutet man oft die Stärken des Genres gegenüber den neuen multimedialen Konkurrenzmedien. Können Sie einige Beispiele nennen für diese Rückbesinnung auf die journalistischen Wurzeln?
B.M.: Es gibt zwei Formate, die ich ganz besonders schön finde und die dem Anspruch gerecht werden, dass eine

Die Redaktion der Taz

Die Redaktion der Taz

Tageszeitung – angesichts der elektronischen Konkurrenz – sich stärker in Richtung einer Wochenzeitung entwickeln muss. Das eine Format heißt: „Die ganze Geschichte”. Da wird versucht, auf zwei Seiten hintergründig Zusammenhänge darzustellen. Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen, die man in den Tagesnachrichten immer nur in Ausschnitten erfährt; sie also einmal rundum aufzurollen und dabei unterschiedliche Facetten zu beleuchten. Das andere Format heißt: „Der Blick dahinter”. Platziert auf einer Konsumseite, geht es hier darum herauszubekommen, was eigentlich hinter bestimmten Produkten steckt.

sf: Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei diesem Projekt?
B.M.: Die größte Herausforderung ist für uns, dass wir nun ein Medium mit drei Geschwindigkeiten produzieren. Wir machen die Tageszeitung, mit der sonntaz eine Wochenzeitung und die schnellen, harten Nachrichten mit der Online-taz. Die Redaktion muss nun in diesen drei Geschwindigkeiten denken. Doch glücklicherweise konnten wir sie gerade erst wieder etwas aufstocken. Wir sind zurzeit wahrscheinlich die einzige Tageszeitung, die Stellen und neue Angebote für die Leser schafft, anstatt Stellen abzubauen.

sf: Wie finanziert sich die taz? Dabei interessiert mich besonders die Unternehmensform der taz als einer Genossenschaft. Inwiefern sind Sie von den Interessen der Genossenschaft abhängig?
B.M.: Zum einen finanzieren wir uns durch Abonnements. Zum anderen kann man bei uns aber auch GenossIn werden und – wie bei Genossenschaften üblich – auch Anteile kaufen. Der Geringste ist eine 500-Euro- und der höchste eine 25.000-Euro-Einlage. Aber unabhängig von der Höhe der Einzahlung hat man jeweils nur eine Stimme. Jedes Jahr

Hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen

werden alle GenossInnen zu der so genannten Generalversammlung eingeladen, um die wichtigsten Dinge zu besprechen und zu beschließen.

sf: Als da wären?
B.M.: Ein gutes Beispiel war die Frage: Sollen wir Energie und Geld dafür verwenden, unsere Regionalteile auszubauen? Da diskutieren die Genossen natürlich mit.

sf: Sie diskutieren also mit, wofür ihr Geld verwendet wird?
B.M.: Ganz genau. Die MitarbeiterInnen der taz bilden innerhalb der großen Genossenschaft noch eine kleine. Die große Genossenschaft hat jetzt über 8.000 GenossInnen, was sehr ungewöhnlich ist. Die MitarbeiterInnen sind eine eigene Produktionsgenossenschaft und bekommen damit auch ein Stimmrecht. Diese besondere Konstruktion hängt mit der Rolle der taz-MitarbeiterInnen zusammen. Wir verdienen ungefähr halbes Tarifgehalt. Wir subventionieren also die Zeitung jeden Tag mit unserer Arbeitskraft. Deshalb ist es so wichtig, dass die KollegInnen neben den GenossInnen noch einmal besondere Entscheidungsbefugnisse haben.

sf: Wie machen sich diese bemerkbar?
B.M.: Die taz-Mitarbeiter können theoretisch jede Entscheidung, die die große Genossenschaft fällt, mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ablehnen. Angenommen, die große Genossenschaft würde entscheiden: Die taz bringt keine Rendite und soll geschlossen werden. Dann könnten die MitarbeiterInnen diesen Entschluss wieder kippen. So eine Kampfabstimmung hat es aber noch nie gegeben. Die GenossInnen sind für uns ausgesprochen wichtig, weil sie uns sehr großzügig, sehr großmütig und sehr solidarisch unterstützen und sich auch stark mit der Zeitung identifizieren. Aber in der taz herrscht innere Pressefreiheit, das heißt: Nur wir in der Redaktion bestimmen, wie die Zeitung gemacht wird. Deswegen ist dieses Konstrukt auch so ideal, weil die ökonomische Verantwortung auf sehr viele Schultern verteilt ist.

Die Taz-Redax

Die Taz-Redax

sf: Wie sind die verschiedenen Einnahmequellen der taz gewichtet?
B.M.: Die taz lebt im Gegensatz zu allen anderen großen Zeitungen zum wesentlichen Teil von ihren Vertriebserlösen. Das heißt, sie finanziert sich zu 85 bis 90 Prozent durch das journalistische Produkt und nur zu einem sehr geringen Teil durch Anzeigen. In guten Zeiten leben wir zu 15 Prozent von Anzeigenerlösen. Meistens sind es aber weniger.

Bascha Mika ließt den sf

Bascha Mika ließt den sf

sf: Wer entscheidet darüber, wer ChefredakteurIn bei der taz ist?
B.M.: Das ist die Aufgabe des Vorstandes. Der besteht aus den beiden Geschäftsführern, die von der Genossenschaft eingesetzt werden, und drei gewählten Mitgliedern des Hauses. Dabei sind Letztere die Vertreter der MitarbeiterInnen. Es gibt keine gewählte Chefredaktion; das ginge auch gar nicht.

sf: Zurzeit wird heiß debattiert, wie viel eine Tageszeitung kosten sollte. Viele Preissteigerungen sind zu erwarten. Gilt das auch für Ihre Zeitung?
B.M.: Es gab Zeiten, da war die taz die teuerste überregionale Tageszeitung, obwohl wir den geringsten Umfang hatten. Diese Zeiten sind längst vorbei. Alle Zeitungen sind sehr viel teurer geworden, als sie noch vor zehn Jahren waren – das ist aber notwendig. Qualitätsjournalismus kostet einfach Geld. Man darf nicht vergessen, dass das Anzeigengeschäft in dieser Hinsicht die Sitten total verdorben hat. Denn dadurch, dass sich Journalismus nicht durch den Verkauf von Journalismus, sondern durch Anzeigen finanziert hat, hatte man schnell das Gefühl, Journalismus sei nichts wert!

sf:…wie man auch anhand der Diskussionen über die Verdrängung der Printmedien durch die oft aktuelleren, aber auch inhaltsloseren und schlechter recherchierten Onlinemedien nachvollziehen kann.
B.M.: Ja. Dadurch, dass sich in der ganzen Welt Printprodukte zum größten Teil von Anzeigeneinnahmen ernährt haben und nicht durch den Vertrieb der journalistischen Inhalte, haben die Verleger die größte Dummheit aller Zeiten begangen. Nämlich ihre Inhalte online kostenlos anzubieten. Ein Kardinalfehler, der, wenn er überhaupt wieder gutzumachen ist, nur mit größter Anstrengung korrigiert werden kann.

sf: Worin sehen Sie die ursprünglichen Ideale, die Sie mit der taz verfolgen?
B.M.: Das größte Ideal der taz ist unabhängiger Journalismus. Mit dieser Idee ist die taz gegründet worden. Ganz konkret: um sich gegen Pressezensur, die es damals im Rahmen des deutschen Herbstes gab, und für die Verbreitung unterdrückter Nachrichten einzusetzen. Das hat sich natürlich inzwischen geändert, weil sich die Medienlandschaft in den vergangenen 30 Jahren so weitreichend ausdifferenziert hat, dass es so gut wie keine unterdrückten Nachrichten mehr gibt. Heute müssen wir Gegenöffentlichkeit anders definieren.

sf: Was macht einen taz-typischen Artikel aus?
B.M.: Lohnt es sich, seriös zu berichten? Oder kann man darüber eigentlich nur einen Witz machen? Satire ist manchmal sehr viel entlarvender als normale Berichterstattung.

sf: Gibt es Widerstand gegen den Widerstand der taz? Wenn ich aus dem Fenster der Redaktion schaue, dann sehe ich am Haus gegenüber in übergroßen Lettern das Wort „Kochstraße 60. Seit 1734” prangen. Eine Auflehnung gegen die von der taz erkämpfte Umbenennung der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße?
B.M.: Das ist eigentlich eine sehr lustige Geschichte: Nach einer dreijährigen Kampagne haben wir die Umbenennung der Straße erreicht – sogar gegen ein Volksentscheidbegehren der CDU. Unser Nachbar gegenüber tat sich als Speerspitze dieser Widerstandsbewegung hervor. Als, sehr zu seinem Unwillen, die Straße dann doch umbenannt wurde, ließ er einige Wochen später als Zeichen des Protestes den alten Namen seiner Straße und Hausnummer über dem Eingangstor anbringen.

(Wird fortgesetzt.)

„Eine Zeitung muss sich permanent verändern, um bestehen zu können”

Im Jahre 1998 übernahm Bascha Mika den Posten der taz-Chefredakteurin. Damit ist sie die einzige Frau an der Spitze einer überregionalen Tageszeitung in der Bundesrepublik Deutschland. Neben einem abgeschlossenen Studium der Germanistik, Philosophie und Ethnologie hat Bascha Mika auch eine Banklehre absolviert und schon im Studium als freie Mitarbeiterin journalistisch gearbeitet. Sie ist eine klassische Quereinsteigerin. Erst mit Anfang 30 hat sie sich entschlossen, ihren Lebensunterhalt als Journalistin zu verdienen. Mit ihrem Lebensgefährten lebt sie heute im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Mit ihr sprach Marcel Nakoinz.

Chefsache

Chefsache

strassenfeger: Sie sind die einzige Chefredakteurin einer bundesweiten Tageszeitung in Deutschland. War diese Karriere von Anfang an Ihr Ziel?

Bascha Mika: Wenn man schon bei einer Zeitung arbeitet, dann macht es natürlich auch Spaß, deren Geschicke entscheidend mitzubestimmen. Doch ich bin nicht in den Journalismus gegangen, um Chefredakteurin zu werden. Sondern wie fast alle KollegInnen wollte ich schreiben. Um eine Zeitung zu machen, braucht es aber mehr als nur Autoren. Es braucht auch diejenigen, die das Blatt machen, und diejenigen, die sich mittel- und langfristig mit dessen publizistischer Zukunft beschäftigen – also darüber nachdenken, was eine Tageszeitung heute, angesichts der elektronischen Medien, überhaupt noch sein kann. Wie sich zum Beispiel eine Zeitung wie die taz permanent verändern muss, um überhaupt bestehen zu können.

sf: Wie schaffen Sie es als Chefredakteurin einer Tageszeitung, tagesaktuell zu bleiben und dabei gleichzeitig urteilssicher in den vielen komplexen politischen Themen von heute zu sein?

B.M.: Ich muss auf dem neuesten Nachrichtenstand sein. Das beginnt morgens nach dem Aufstehen, indem die Radios angeschaltet werden. Damit meine ich mehrere: In der Küche läuft „Inforadio”, im Bad „Deutschlandfunk”, und im Schlafzimmer sehe ich dann ab und an noch das Morgenmagazin von ARD oder ZDF, um zu bestimmten Ereignissen auch die Bilder mitzunehmen.

sf: Frühmorgendliches Multitasking also?

Über die Schulter

Über die Schulter

B.M.: Ja. Selbstverständlich kommt später das Zeitunglesen noch dazu. Neben dem eigenen Blatt muss ich mir auch alle überregionalen Zeitungen ansehen.

sf: Wie viel Zeit bleibt da noch, um sich in Literatur schwer überschaubarer Themen wie die Weltwirtschaftskrise hineinzulesen?

B.M.: Vertiefende Artikel oder auch Bücher zu lesen, ist absolut notwendig, um bestimmte Phänomene über die Tagesaktualität hinaus zu verstehen. Aber dazu bleibt bei einem Job wie dem meinen nicht allzu viel Zeit.

sf: Ist ein vielschichtiges Hintergrundwissen nicht unerlässlich für die Bewertung der Objektivität und Richtigkeit der verschiedenen Beiträge?

B.M.: Klar! Aber in der Chefredaktion geht eben auch viel Energie für Management drauf.

sf: Wie gelingt es Ihnen dann noch, Ihrer Honorarprofessur an der Berliner Universität der Künste (UDK) nachzukommen?

B.M.: Seit Anfang der 90-er Jahre arbeite ich auch in der Journalistenausbildung. Das ist mir ausgesprochen wichtig. Wer eine Vorstellung davon hat, was guter Journalismus ist und wie er seine Hauptaufgabe wahrnehmen sollte – Kritik und Kontrolle nämlich – muss auch bereit sein, sein Wissen und seine Erfahrung weiterzugeben. Je ausdifferenzierter die Medienlandschaft ist, je stärker der ökonomische Druck auf die Branche wird, je mehr die Grenzen zwischen Journalismus und PR verschwimmen, desto wichtiger wird es, ganz klare journalistische Standards zu setzen.

sf: Welche wären das?

B.M.: Das sind sowohl handwerkliche Regeln, als auch Fragen des Selbstverständnisses von Journalisten. Ich habe vor sechs Jahren, als an der UDK der Studiengang Kulturjournalismus gegründet wurde, eine Gastprofessur angenommen und bin seit zwei Jahren Honorarprofessorin. Diese Belastung kann ich sehr gut steuern. Als Honorarprofessorin muss man zwar in der Lehre eine gewisse Stundenzahl ableisten, aber das lässt sich durchaus bewältigen.

sf: Die Geschichte wiederholt sich. Es wird häufig behauptet, dass es nie wieder zu einer Machtergreifung wie der Hitlers kommen könnte, da die Medien uns alle aufklären und informieren würden. Aber besteht nicht vielmehr auch die Gefahr, dass sie uns derartig überinformieren, bis wir nicht mehr zwischen Übungsalarm und echtem Alarm unterscheiden können? Die NPD witterte bereits in einer sich eventuell abzeichnenden großen Depression ihre Chance, ihre Anhängerschaft weiter zu vergrößern. Können Medien wie die taz effektiv gegen solche Irrungen und Wirrungen angehen?

B.M.: Zumindest würde die taz publizistisch gegen Politiker, die populistisch und menschenfängerisch daherkommen, vorgehen. Wir müssen uns mit der Gefahr auseinandersetzen, dass, wenn die Finanzkrise in weiten Teilen der

Bevölkerung ankommt – vor allem auch bei denen, die sowieso nicht viel zu verlieren haben – dann tatsächlich eine große Unruhe entsteht, die irgendein populistischer Agitator demokratiefeindlich nutzen könnte. Aber ich bin da nicht besonders alarmiert. Mich macht zum Beispiel der Verlauf der letzten Bundestagswahl optimistisch: Damals hat eine Phalanx aus Medien und Meinungsforschern der Bevölkerung einzutrichtern versucht, dass nur eine schwarz-gelbe Regierung das Land vor dem Untergang retten könne. Ein anderes Heer neoliberaler Stimmen tönte, es gehe nur noch um so genannte Eigenverantwortung und nicht mehr um Solidarität oder darum, eine Gesellschaft zu schaffen, in der auch die Schwächeren ihren Platz haben, sondern lediglich um das „Survival of the fittest”.
Trotz dieses ganzen neoliberalen Geschwätzes, mit denen die Leute über die Jahre zugedröhnt wurden, haben sie anders gewählt. Sie haben sich dieser Demagogie souverän und in einer wirklich vorbildlichen Weise staatsbürgerlich entzogen. Das hat mein Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Bevölkerung gestärkt.

sf: Nun einige schnelle Fragen: Ist eine demokratische Marktwirtschaft möglich?

B.M. (lacht): Die soziale Marktwirtschaft ist zumindest eine Spielart des Kapitalismus, mit der es sich besser leben lässt als mit Turbokapitalismus.

Kamikaze

Kamikaze

sf: Viele rufen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Wie realistisch ist eine solche Grundsicherung heute?

B.M.: Mindestlöhne müssen unbedingt sein! Und zwar in jeder Branche, in der Leute systematisch ausgebeutet werden. Es geht einfach nicht, dass man einen Job hat und davon noch nicht einmal leben kann. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre prima, hat aber viele Haken und Ösen.

sf: Gibt es eine allgemeingültige Wahrheit, die der Journalismus transportieren könnte?

B.M.: DIE Wahrheit gibt es nicht! Sondern wir als Journalisten müssen uns ihr weitestgehend nähern, soweit das eben in unseren Möglichkeiten liegt.

sf: Nicht nur auf den angelsächsischen Raum geschaut: Ist eine Gesellschaft ohne Feindbild überhaupt möglich?

B.M.: Ja, klar! Feinde zu haben bedeutet, dass ich mich extrem von anderen abgrenze und sie bekämpfe. Das heißt nicht, dass eine Gesellschaft sich in allem eins sein muss – das wird es niemals geben. Die Frage ist vielmehr, welche gesellschaftlichen und politischen Möglichkeiten es gibt, Differenzen auszuhandeln. Es wird immer Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen, Lebensentwürfen und Zielen geben. Die Frage ist: Wie geht man damit um? Welche Abstimmungs- und Aushandlungsprozesse gibt es? Wenn diese Prozesse funktionieren, dann ist vielleicht jemand mein Gegner, aber nicht mein Feind.

sf: Ist es nicht besser, anstatt Angst zu schüren und das Denken in Kategorien wie „schlauer als”, „schöner als” usw. zu unterstützen, gerade das Vertrauen in die Gemeinschaft stark zu machen?

B.M.: Abschaffen können wir dieses Denken sicherlich nicht, aber wir können zumindest versuchen darauf hinzuarbeiten.

sf: Frau Mika – vielen Dank für dieses sehr interessante Gespräch!


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Ausgabe 10, Mai 2009

und

Ausgabe 11, Mai 2009

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