Verfasst von: marcelnakoinz | 3. März 2010

Wir helfen Menschen, sich selbst zu helfen – Wie der Solidaritätsdienst-international e.V. (SODI) sich weltweit für Menschen in Not einsetzt

Berlin. Unscheinbar und einsam prangt das kleine Schild von SODI an einer Hauswand inmitten eines Plattenbaukomplexes in Berlin-Hohenschönhausen. Die einzige Geschäftsstelle des parteipolitisch unabhängigen und weltanschaulich offenen Vereins, der 1990 gegründet wurde, muss auf die Miete schauen. SODI ist eine Nichtregierungsorganisation (NRO) auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit.

Fr. Werther

Fr. Werther

Ich spreche mit Sylvia Werther (27, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising), für die schon, als sie noch Medienwissenschaften und Geschichte studierte, feststand, dass, wenn sie im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig werden wollte, es eine Non-Profit-Organisation sein musste. Über ihren Vater, der Mitglied bei SODI war, kam dann das eine zum anderen. Sie ist eine von gerade mal acht Festangestellten. Dennoch werden von hier aus jedes Jahr weltweit 20 bis 30 Projekte gefördert und initiiert, bei denen zum Beispiel Material und Anleitung bereit gestellt werden, damit Menschen in Namibia sich hunderte Lehmhäuser bauen können und nicht mehr in heruntergekommenen Wellblechhütten leben müssen. Aus dieser Geschäftsstelle wird die humanitäre Minenräumung in Vietnam vorangetrieben – schon seit 1998. So werden Vietnamesen mit den Geräten und dem Know-how ausgerüstet, Minen räumen zu können, und die Kinder werden über Gefahren aufgeklärt.

Nachhaltigkeit ist wichtig
Die Laufzeiten der Projekte sind dabei auf mindestens zwei bis drei Jahre angelegt, denn Nachhaltigkeit wird bei SODI groß geschrieben. Im Falle einer Katastrophe wird also nicht nur bei deren Überwindung geholfen, sondern auch eine Verbesserung der Lebensumstände, die vor der Katastrophe herrschten, wird angestrebt. „Der Bau eines Brunnens bringt wenig, wenn man nicht die Möglichkeit schafft, den Beruf des Brunnenbauers, der ihn betreut, in der Region zu etablieren“, weiß Frau Werther. Schwerpunktsregionen sind dabei Südostasien (Vietnam, Kambodscha, Laos) und Afrika (Südafrika, Namibia und Mosambik), wobei der Fokus auf Gesundheits- und Bildungsförderung sowie einkommensschaffenden Maßnahmen liegt – ganz im Sinne des Vereinsmottos: „Hilfe zur Selbsthilfe“. Zu diesem Zwecke wurden in Vietnam beispielsweise bereits drei Dörfer mit fünf Kindergärten, drei Schulen und einem Gemeindegesundheitszentrum gebaut.

Humanität mit Tradition
Schon über 800 Projekte in 32 Ländern wurden seit Gründung des Vereins realisiert. SODI ist der direkte Rechtsnachfolger des Solidaritätskomitees der DDR, der damaligen zentralen staatlichen Entwicklungshilfeorganisation mit ca. 400 Mitarbeitern. Nach der Wiedervereinigung übernahm der Verein dann die zahlreichen laufenden Projekte zur Armutsbekämpfung, die andernfalls eingestellt worden wären.

Schlichtes Äußeres

Schlichtes Äußeres

Um helfen zu können, setzt man sich mit Partnerorganisationen vor Ort in Verbindung. Das ist nicht immer einfach. Zwar ist SODI in diversen Ländern seit Jahrzehnten eine bekannte Anlaufstelle für Menschen in Not. Aber während in Vietnam NROs unterdrückt werden und man auf Massenorganisationen auf kommunaler Basis angewiesen ist, flukturieren die vielen kleinen, sich ständig gründenden und auflösenden NROs in Afrika. Doch die Arbeit lohnt sich! Denn diese Partner wissen um die regionalen Probleme und wie man sie am besten angehen kann. Mit ihren Ideen kommen sie zum Verein und dieser unterstützt sie mit Geldern und mit der Ausbildung von Fachkräften sowie der Vermittlung ehrenamtlicher Mitarbeiter_innen.

Vom Spenden-TÜV geprüft und für gut befunden
SODI bekommt seit 1994 jährlich das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Das Institut kontrolliert, ob SODI das Geld auch wirklich für die Projekte ausgibt. Wer einmal gesehen hat, wo der Verein sitzt, um Geld zu sparen, wird diesbezüglich wohl keine Zweifel haben. Gegen die Veruntreuung von Spendengeldern vor Ort schützt sich SODI wiederum bei größeren Projekten durch das Entsenden unabhängiger Wirtschaftsprüfer, die nach dem Rechten sehen; und auch sonst sind Quittungen über alle verwendeten Spendengelder Pflicht.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit bewilligte vor kurzem 200.000 Euro für ein Projekt gegen Frauenarmut in Vietnam. Dabei ist wichtig, dass dieses Geld für SODI nur verfügbar wird, wenn der Verein einen Eigenanteil an Spenden dazuschießen kann. 25 Prozent der Gesamtsumme müssen als Spenden aufgebracht werden, die restlichen 75 Prozent kommen dann von Drittmittelgebern. Im Klartext heißt das: Jeder Euro, den Sie spenden, wird von der EU verdreifacht aufgeschlagen. Mit einem Euro können Sie also vier Dachziegel für Trockentoiletten in Namibia finanzieren. Gut zu wissen! Täglich sterben weltweit 6.000 Kinder an vermeidbaren Durchfallerkrankungen aus Mangel an Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärsystemen. Mit SODI können wir daran etwas ändern.

Ausgabe 09, April 2009

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