Verfasst von: marcelnakoinz | 30. März 2010

Amélie trifft Alice in Bollywood – “Tutta la Vita Davanti“ (Das ganze Leben liegt vor dir), Paolo Virzis lebenslustiger Film über den Ernst des Lebens kommt nun auch in die deutschen Kinos

Tutta la Vita Davanti

Tutta la Vita Davanti

Endlich einmal ein unverbrauchtes Motiv! Keine Drachentöter, Blue Man Group Mitglieder auf Solotournee oder Racheengel (oder alles in einem in 3D) mehr. Alles schon zu oft gesehen. Dieser Film gewinnt auf gleich dreifache Weise an Seltenheitswert. Es geht hier nämlich um Philosophen! Weibliche Philosophen! Und dann auch noch um Philosophinnen, die an eine Karriere (!) außerhalb des Taxifahrerinnengewerbes denken! Das ist zu viel auf einmal? Fangen wir noch von vorn an. Beim Anfang. Sie wissen schon, da wo sich Philosophen nicht einmal darauf einigen können ob wir von Eiern oder Hühnern abstammen.

Die Protagonistin Martha (Isabella Ragonese) erhofft sich nach einem mit Auszeichnung bestandenen Studium einen nahtlosen Start in die Arbeitswelt. Das pralle Leben desillusioniert die junge Mittzwanzigerin im amerikanisierten Italien des 21. Jahrhunderts dann jedoch schneller als ihr lieb ist. Hier werden aus Philosophen Werbetexter und Promireporter und hier werden Kinder nur noch anonym mit dem Handy ins Bett vibriert. Die Geschichte ist schnell erzählt, was erahnen lässt, dass es hier im Grunde nicht darum geht Studenten davor abzuschrecken am Leben vorbeizustudieren. Es geht vielmehr um Arbeitsmarktmissstände und eine Arbeitswelt, die sich in einer Welt aus Schein und Manipulation verliert. Natürlich ist dabei vieles übertriebe Satire. Anderes dafür erschreckend real.

Berlin im Paolo Virzis Fieber

Berlin im Paolo Virzis Fieber

Die Tragikkomödie beginnt so heiter wie sie endet – mit Tanz. Dazwischen wird mit einer sehenswerten Leichtigkeit und chaotisch bis kitschigen Stilvielfalt alles verhandelt was dem Leben einen Sinn zu geben vermag, von Tragik bis Humor, von der Geburt bis hin zum Tod. Nicht zufällig erinnern die Momente südländischer Leichtigkeit dabei an Streifen wie Woody Allens “Vicky Cristina Barcelona“ und die melancholisch besinnlichen Passagen an die verträumte Welt der Amèlie. Man hat nach diesem Film zwar nicht das Gefühl mehr zu wissen als vorher, aber gerade dieses Gefühl ist irgendwie besser geworden.

Fazit: Bei allem Lob und eingeheimsten Preisen muss zwar eingewandt werden, dass der Film den Zuschauer vielleicht nicht derart nah an eine Phantasiewelt bringt wie sie beim Lesen eines guten Buches entsteht und wie es zum Beispiel der “fabelhaften Welt der Amélie“ beinahe gelang, aber dafür beschwingt er den Zuschauer auf seine eigene Art nicht minder.

Der Film läuft seit dem 18. März im Central Kino (Rosenthaler Str. 39) und im Sputnik Kino (Hasenheide 54).

Marcel Nakoinz

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