Verfasst von: marcelnakoinz | 26. April 2010

Mehr Geld für die Welt – Konzepte zur Verbesserung der Weltlage

Damit das Steak auf unseren Tellern zwei Euro kosten kann, müssen in Südamerika Wälder Weideplätzen weichen und (genetisch behandelte) Sojabohnen angebaut werden, die hauptsächlich als Viehfutter herhalten. Ein Quadratmeter Urwald ist heute nicht viel mehr als einen Eurocent wert. Damit wir uns zur Ehe mit goldenen Ringen „mal so richtig etwas leisten“ können, schuften Menschen am anderen Teil der Erde unter sklavischen Bedingungen. Die Liste ließe sich erschreckend lang fortführen, von Blutdiamanten bis hin zu auf Bananenplantagen schuftenden Kindern, die die Pflanzen ohne Schutzmasken mit Pestiziden besprühen. Und das ist nur die unserer heilen Welt bekannte Spitze des Eisberges. Uns in

Mehr Geld für die Welt

Mehr Geld für die Welt

den Deckmantel der Unwissenheit hüllend, nehmen wir das alles jedoch für die kurzfristige Bedürfnisbefriedigung unserer Wünsche und für wirtschaftliche Gewinnmaximierungen in Kauf. Wir folgen übereifrig dem biblischen Auftrag: „Macht euch die Erde untertan!“ und erfüllen ihn beinahe zu gut. Noch nie war eine Ethik der Wirtschaft so wichtig wie in der heutigen Zeit, in der Wohl und Wehe so nahe beieinander liegen, dass nichts ferner erscheint als ein Wiedereinzug in das Paradies durch den technischen Fortschritt, wie er seinerzeit Francis Bacon noch vorschwebte.

Alle für alle
Carl Christian von Weizsäcker schwebt eine realistische Utopie vor, die an diesen Verhältnissen in der Welt etwas ändern könnte. Um beispielsweise die CO2-Emissionswerte realisieren zu können, die das „Intergovernment Panel on Climate Change“ veranschlagte, müss-ten alle Emittenten weltweit unter einem Vertrag zusammengefasst und das Recht auf CO2-Emission zu einem käuflichen Gut gemacht werden, das zu einem Weltmarktpreis gehandelt werden kann. So wäre es zudem möglich, Entwicklungsländern eine langsamere Anpassung zu gewähren und sie nicht in ihrem Wirtschaftswachstum zu beeinträchtigen. Denn wie die Geschichte zeigt, wächst mit dem Lebensstandard auch das Umweltbewusstsein. Mit dem paradoxen Ergebnis, dass das wirtschaftliche Wachstum beides gleichzeitig ist: schädlich für die Stabilisierung des Weltklimas und förderlich für die psychologische Voraussetzung dafür, dass die Bevölkerung sich für die eigene Gesundheit und Umwelt interessiert. Dieses Prinzip lässt sich auch auf wirtschaftliche und politische Belange extrapolieren. Moralische Verantwortung gegenüber der Natur ist ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann. Wer einen Baum fällen, einen Wal harpunieren oder Gold für einen lächerlichen Lohn schürfen muss, um seine Familie zu ernähren, wird dies tun.

Das zahnlose Raubtier
Was, wenn sie recht haben, die Verschwörungstheoretiker, die dystopischen Kulturpessimisten und Nostradamus-Fans? Wenn die schöne neue Welt, die sich der kulturelle Affe aufgebaut hat, bald knarzend in sich zusammenbricht? Ein Finanzsystem, welches höchst korrupt und instabil ist, lässt nichts übrig, wenn es implodiert. Auch das vielfach gepriesene islamische Finanzsystem, das angeblich auf ethischen Werten basiert und den Zins (Riba) ablehnt, steht im Verdacht, sich diese im Nachhinein durch „Geschenke“ und „Gutschriften“ wieder einzuverleiben.

Erst wenn der gegenwärtige Zeitgeist sich selbst über die Schulter schaut und eine wissenschaftlich fundierte Intelligenz des Gesamtindividuums eines jeden Staates Druck auf die jeweiligen Regierungen ausübt, können wir hoffen, etwas zu verändern. Das ist nur möglich, wenn ein gesellschaftlicher Wertewandel vonstatten geht, der Zielen für wünschenswerte Zukünfte einen Wert einräumt. Ich betone die Bedeutung der sozialen Gemeinschaft bei der Lösung des Problems hier besonders, weil es mir so vorkommt, als würde die moderne Gesellschaft den Fokus ausschließlich auf die individuelle Entfaltung legen. Ob Bourgeoisie und Proletariat oder Industriestaaten und Dritte-Welt-Länder: Die Aufspaltung von naturrechtlich gleichwertigen Menschen in eine besitzlose und eine besitzende Klasse führt unweigerlich zum Elend der einen und zum Wohlstand der anderen. Diese Praxis, deren Motor zweifellos der globalisierte Kapitalismus ist, dehnt sich dabei auch über den Menschen und auf seinen Umgang mit dem Rest der Welt aus. In diesem „Raubtierkapitalismus“ sind die Anderen nur Mittel für meine Zwecke oder gar eine Bedrohung für die Verwirklichung meiner Ziele. Auf diesem Boden kann der Baum der kontemplativen Rückbesinnung darauf, nur ein Teil der Welt zu sein, schwerlich gedeihen. Dass dies automatisch durch das Mehren von Wohlstand innerhalb einer Gesellschaft geschieht, gibt Grund zur Hoffnung. Das Raubtier, das uns zerriss, hat auch die Macht, uns wieder zusammenzuschweißen.

Ausgabe 13, Juni 2009

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: