Verfasst von: marcelnakoinz | 5. Juli 2010

Gemeinsam für Gerechtigkeit – Der Solidaritätsdienst-international e.V. (SODI)* setzt sich für die Agent-Orange-Opfer in Vietnam ein

Erstunterschreiber Gesine Lötzsch, Stefan Liebich und Prinzensänger Sebastian Krumbiegel

Erstunterschreiber Gesine Lötzsch, Stefan Liebich und Prinzensänger Sebastian Krumbiegel

Viele lachende Menschen wohnten heute, am 10. August 2009, vor dem Brandenburger Tor in Berlin der feierlichen Übergabe der „größten Postkarte der Welt“ an Klaus Wowereit, den regierenden Bürgermeister von Berlin, bei. Das Maskottchen der diesjährigen Leichtathletik-WM, ein lebensgroßer Plüschbär, grinste sein stoffliches Lächeln dazu. Zwanzig Meter weiter, auf der anderen Seite des Brandenburger Tors, fordert SODI am heutigen internationalen Tag der Agent-Orange-Opfer Entschädigung für die über drei Millionen vietnamesischen Opfer des Herbizideinsatzes im Vietnamkrieg.

Stimmen aus dem Volk
Innerhalb eines Jahres konnte SODI bereits 20.000 Unterschriften von Menschen sammeln, die sich solidarisch verbunden fühlen mit den vielen Opfern dieser ökologischen Katastrophe, deren zerstörerische Effekte auch noch über 30 Jahre nach Ende des Krieges (1975) in den Genmutationen Neugeborener allgegenwärtig sind. Auch viele Prominente konnten für die Aktion gewonnen werden. So gehören zu den Erstunterzeichnern unter anderem die heute Anwesenden: Gesine Lötzsch (stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag), Stefan Liebich (Die Linke, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses) und Sebastian Krumbiegel (Sänger der Band „Die Prinzen“). Liebich vergegenwärtigte, wie innig er während seiner Jugendzeit in der DDR die Solidarität mit Vietnam in der gesamten Bevölkerung empfand, und betonte, dass gerade aufgrund der Spätfolgen die Menschen dort heute noch genauso, wenn nicht noch mehr unserer Hilfe bedürfen.

Die Theatergruppe übergibt derweil den Scheck über die gesammelten Unterschriften

Die Theatergruppe übergibt derweil den Scheck über die gesammelten Unterschriften

Beide Politiker sprachen auch die Hoffnung aus, dass nach dem Regierungswechsel in den USA die Geschädigten die lang ersehnte Gerechtigkeit erfahren und von den Verantwortlichen eine Entschädigung erhalten, die ihnen nicht alles, aber zumindest ihre Würde wiedergeben und den immer noch stockenden Wiederaufbau finanzieren helfen würde. Bisher haben die Herstellerfirmen des Gifts (vor allem Dow Chemical und Monsanto) nur den US-Soldaten, die mit Agent Orange in Kontakt gekommen waren, Entschädigungen gezahlt.

Ein Prinz in Vietnam
Eine Theatergruppe übergibt derweil den Scheck (der etwas anderen Art) über die gesammelten Unterschriften symbolisch an die Herstellerkonzerne von Agent Orange. Für Krumbiegel ist es eine „riesen Sauerei“, die in Vietnam passiert ist und von deren Folgeschäden er sich vor gut einem Jahr vor Ort selbst überzeugte. Als Schirmherr der Friedensdekade (deren Motto damals wie heute lautet: „Schwerter zu Pflugscharen“) und Mitglied beim Aktionsbündnis Landmine war er zu dieser Reise ermuntert worden. Man hatte ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, seinen Horizont zu erweitern, worauf er prompt einwilligte, wie er mir später erzählte. Viele verstünden sein Engagement nicht und meinten, er solle doch bei seiner Musik bleiben, anstatt in der Welt herumzufliegen. Aber diese Frage stelle sich für ihn gar nicht. – Gesine Lötzsch hingegen fühlt sich mit SODI schon dadurch verbunden, dass sich deren Geschäftstelle im Wahlbezirk der Bundestagsabgeordneten befindet – aber natürlich auch aufgrund der Transparenz der Projekte. Sie wisse immer genau, wofür sie spendet, und könne die Erfolge direkt sehen.

Die Geschichte des Gifts
Während des Vietnamkrieges wurden innerhalb von zehn Jahren über 40 Millionen Liter Agent Orange als Entlaubungsmittel von der US-Air Force über Vietnam, Laos und Kambodscha versprüht. Dieses Gift enthielt insgesamt 360 kg des toxischen Dioxins TCDD. Bereits eine Messerspitze davon jedoch genügt, um hunderte Menschen zu töten. Doch damit nahm man nicht nur den Soldaten die Deckung, sondern vernichtete auch die Ernten. Auf den Feldern wachsen bis heute nur genveränderte Pflanzen, auf deren Verzehr die Menschen jedoch angewiesen sind. Die Böden sind seitdem kontaminiert, genauso wie das Erbgut vieler Vietnamesen, deren Kinder noch immer mit Missbildungen, Krebs und anderen Immundefekten geboren werden.

Auf der SODI-Homepage können Sie dazu beitragen, diesen Menschen Gehör zu verschaffen, und etwas spenden oder online unterschreiben. Denn bis zum gesteckten Ziel von 100.000 Unterschriften ist es noch ein weiter Weg.

Gemeinsam für Gerechtigkeit

Gemeinsam für Gerechtigkeit

* SODI ist eine Nichtregierungsorganisation, die nach eigenen Angaben Selbsthilfeprojekte der Entwicklungszusammenarbeit in Asien, Afrika und Lateinamerika realisiert sowie humanitäre Hilfe in Osteuropa leistet. In den letzten 20 Jahren hat SODI über 800 Projekte auf vier Kontinenten im Wert von 55 Millionen Euro verwirklicht.
http://www.sodi.de

Ausgabe 18, September 2009

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: