Verfasst von: marcelnakoinz | 27. August 2016

Der Sinn der Frage nach dem Sinn des Lebens

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Wer kennt sie nicht, die befremdlich kurze Antwort aus Douglas Adams Feder, auf die Frage, die den Menschen schon ungefähr solange beschäftigt wie er Kunst, schöne Frauen und Schnaps für sich entdeckt hat. In seinem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“, stellen hochintelligente Wesen einer fremden Welt den zweitintelligentesten Computer des Universums her: „Deep Thought“ (Tiefer Gedanke). Seine Antwort auf die Frage nach dem „Leben, dem Universum und Allem“, die er nach siebeneinhalb Millionen Jahren Rechenzeit ausspuckt, ist jedoch wenig erbaulich. Sie lautet schlicht: „Zweiundvierzig“. Adams führt hier den spannenden Gedanken ein, dass wir vielleicht nie eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage aller Fragen erhalten haben, weil schon die Frage falsch gestellt ist. Allein das wir sie stellen, dafür hat Adams seine ganz spezielle Erklärung. Als die hochintelligenten Wesen den Computer mit den Ausmaßen einer Kleinstadt, nun nach der korrekten Frage zur Antwort fragen, meint der nur, dass dies seine Fähigkeiten übersteigen würde und er den Bauplan zu einem noch intelligenteren Computer von der Größe eines Planeten bereitstellen würde, den er „Erde“ tauft.

 

Die Philosophen und solche die es werden wollen…

…haben sich seitdem alle mühe gemacht, dieses Programm zu erfüllen. Denn so lange der Mensch sich fragen stellt, fragt er sich warum er ist. Viele Menschen begnügen sich hier mit der Antwort: „Gott“. Wobei manche (wie Tom Cruise) glauben, auch mit ihm zu Frühstücken. Aber schließen Antworten nicht die Türen zu Welten, welche die Fragen geöffnet hatten? Terry Eagleton fragt in seinem Buch über den Sinn des Lebens, Gottlob Frege folgend: Sind Begriffe wie „Sinn“ und „Leben“ überhaupt aufeinander anwendbar? Schließlich haben nur unsere sprachlichen Ausdrücke Sinn und nicht das Leben als solches. Selbst wenn alles oberflächlich und sinnlos erscheint, so kann das Leben nicht sinnlos sein. Da die Vorstellung von Oberfläche nur existieren kann, wenn es auch Tiefe gibt. In diesem Sinne war Ludwig Wittgenstein der Überzeugung, dass viele philosophische Rätsel auf einem falschen Gebrauch von Sprache beruhen. Martin Heidegger ging sogar noch einen Schritt weiter und fragte sich, warum es überhaupt etwas gibt und wieso wir das erkennen können. Er kam zu dem Schluss, dass diese Art des Fragenkönnens spezifisch für unsere Art ist, in der Welt zu sein.

Staunen über das Leben

Theatertragödien stellen sich die Frage aller Fragen schon seit der Antike und kamen dabei nie zu einem positiven Ergebnis. Sinnloser erschien das Leben nur nach den beiden Weltkriegen. Aber auch sonst stellt sich für den einzelnen Menschen nach den großen Kränkungen der Menschheit durch Kopernikus, Darwin, Freud und die Hirnforscher heute ein gewisser Sinnverlust ein. Physiker erklären unser Dasein zudem durch puren Zufall und Sternenstaubablagerungen. Biologen reduzieren alles auf die Fortpflanzung. Aber wie kann der Sinn der menschlichen Existenz in der Fortpflanzung liegen, wenn wir gerade einmal zehnmal so viele Gene haben, wie die Bakterien in unserem Darm? Sind wir nicht mehr als nur wandelnde Inkarnationen der Begattungstriebe unserer Eltern? Mehr als eine zufällige Aneinanderreihung chemischer Aktivitäten von Proteinen? Macht das Menschsein nicht mehr aus, als das bloße Überleben? Schon Immanuel Kant sah dieses Problem, weshalb er die „Kritik der Urteilskraft“ schrieb, um sich der Ästhetik, Kultur und unseren Gefühlen zu widmen.

 

Ist es denn überhaupt nötig, EINE Antwort zu finden?

Sind nicht vielleicht alle Antworten Teile eines gewaltigen Puzzles? Für die einen wäre das Leben ohne Fußball sinnlos. Andere kommen nicht ohne Zitroneneis aus. Vielleicht besteht der Sinn des Lebens ja einfach im Leben selbst? Es zu „leben“! Es mit allen Sinnen aufzusaugen. Und ganz wichtig: Menschen zu treffen, die anderer Meinung sind als man selbst. Erst unsere Begegnungen bringen schließlich Farbe in unsere Leben. Wo sind die Dadaisten hin, die uns unserer kleinbürgerlichen Illusion beraubten, wir könnten dem Sinn des Lebens irgendwann auf der Strasse begegnen?

Ein zu weites Feld?

Und die Psychologen, Neuro- und Evolutionsbiologen mit ihren Jäger-Sammler-Geschichten, die sie jede Dekade über den Haufen werfen, weil sie neue Erkenntnisse zu finden glauben? Die sollen ruhig weiter versuchen Fragen zu beantworten, die sich weit über ihre Befugnisgrenzen erstrecken. Was wäre denn auch wenn wir auf alle Fragen eine Antwort hätten? Wir würden vor Langeweile eingehen, wie Schneeglöckchen vorm Kamin. Vielleicht ist gerade „Zweiundvierzig“ die zufriedenstellendste Antwort die wir erwarten können und sollten.

 

„Die Lösung des Problems des Lebens merkt man am Verschwinden des Problems.“

– L. Wittgenstein

 

 

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